Berg-Eule

Urlaub 1 - erlebnisreich


Mohrles Sommerurlaub im Mai 1987 - erlebnisreich


1. Tag


Oh weh, was geschieht mit mir – wo bringen mich meine Zweibeiner hin??? Sie haben die ganze Zeit über Urlaub geredet, aber ich kann mir darunter nichts vorstellen. Anscheinend gibt es zwei Sorten Urlaub: einen für die Zweibeiner und einen für mich --- warum nur können wir das nicht gemeinsam machen? Ich verstehe meine Welt nicht mehr!


Mit Sack und Pack werde ich ins Auto verfrachtet – es kann doch nicht mit so viel Gepäck zum Tierarzt gehen? Nein, diesen Weg kenne ich noch nicht, ich lande in einer fremden Wohnung. Da muss ich schleunigst das Terrain abschnüffeln und alles auskundschaften. Den zweibeinigen Wirtsleuten meines Ferienhauses werde ich erst einmal mit misstrauischer Vorsicht begegnen, obwohl ich sie schon kenne – sie haben schon oft meine Zweibeiner zu Hause besucht, als zeitweiliger Ersatz für meine Dosis sind sie zur Not akzeptabel.





Aber was kreucht denn da noch herum??? Die kleinen Zweibeiner – einfach entsetzlich! Die werde ich anfauchen, sobald sie in Sichtweite kommen, ich muss mir schließlich von Anfang an Respekt verschaffen! Später werde ich weitersehen.







Die erste Nacht hätte ich trotz allem gern im Kinderzimmer verbracht, aber leider konnte ich die Türe nicht öffnen. Ich wollte den Zweibeinern aber zeigen, dass mir das nicht passt und habe heimlich den Papyrus angeknabbert.


Soweit Mohrles erste Eindrücke von ihrem Sommerurlaub – den Rest erzählt die Zweibeiner-Gastgeberin aus ihrer Sicht.


2. Tag


Der Papyrus war keine gute Idee, denn am frühen Morgen musste Mohrle den Rückwärtsgang einlegen. Die kleine Zweibeinerin Marianne fand die Bescherung und saß ziemlich ratlos davor.


Diesen Tag verwendete Mohrle dazu, sich in ihrem Feriendomizil genauer umzusehen. Sie durchstöberte das Haus vom Keller bis zum zweiten Stock. Dort ist die Türe zu – eine Unverschämtheit! Sicher gäbe es dort viel zu schnüffeln und vielleicht auch einige interessante Krabbeltiere.


Eine Spinne legte sie der jüngsten Zweibeinerin Elisabeth auf den Wickeltisch. Ein kleines Präsent für die Gastgeber, man will sich ja revanchieren!


Der Tag war recht ruhig verlaufen, manchmal ließ sie sich schon von Marianne streicheln, aber mit Elisabeth will sie nichts zu tun haben, die hat keinerlei Respekt vor ihr: Wenn Mohrle sie anfaucht, faucht sie zurück – man stelle sich das vor!!!






Die meiste Zeit des ersten Tages verpennte Mohrle hinter dem Sofa an der warmen Heizung. Als am Abend endlich die Kinderzimmertür hinter den zwei kleinen Quälgeistern geschlossen wurde, kam sie hervor. Und nun schmuste sie mit den erwachsenen Zweibeinern.





Ein ruhiger Tag ist ja ganz in Ordnung, aber in der Nacht - - - da muss etwas passieren! Wir hatten Mohrle total unterschätzt, weil sie sich den Tag über so brav und harmlos gab. Gegen Abend begleiteten wir einen Besuch bis ans Gartentor, die Haustür hatten wir "ganz fest" angelehnt. Denkste: Schwups wand sich Mohrle durch und verschwand im Gebüsch!

Wir waren total erschrocken, versuchten vergebens, Mohrle mit Schmeicheleien und Drohungen zurück zu locken. Pah, sogar das Klappern der Schachtel mit Knabberle ließ sie kalt. Endlich einmal in Freiheit - herrlich!


Um sie nicht noch weiter zu verscheuchen, gingen wir schließlich ins Haus, ließen jedoch die Tür offen stehen. Aber so schnell gab Mohrle ihre Freiheit nicht auf! Bis Mitternacht warteten wir vergeblich, dann gingen wir zu Bett. Sofern wir zeitweise tatsächlich eine Mütze voll Schlaf fanden, war er vergiftet durch Alpträume von überfahrenen, erschlagenen, zerbissenen und anderweitig zu Tode gekommenen Katzen!

Einmal kreischte es furchtbar im Garten, danach erfolgte ein dumpfer Aufprall - ob das Mohrle war? Wir rannten hinaus, konnten aber nichts erkennen. Zweimal noch lockten wir in der Nacht vergeblich.


3. Tag


Recht bedrückt und mit wenig Hoffnung standen wir auf. Doch zum Glück entdeckten wir Mohrle im hintersten Eck der Terrasse zusammengekauert – unverletzt! Wir waren so erleichtert, dass wir sie nicht einmal schimpften. Immerhin waren wir ja auch selbst schuld.


Mohrle ihrerseits hatte auch kein ganz reines Gewissen, sie schmuste sich an. Ob die nächtlichen Abenteuer für sie als Wohnungskatze sehr aufregend gewesen waren? Oder war es nur kalt und unbequem gewesen? Leider bekamen wir darüber keine Auskunft. Jedenfalls genoss sie das gemütliche Sofa, solange die Kinder sie nicht störten.


Gegen Mittag musste ich im Garten Wäsche aufhängen und wollte Mohrle an der Leine mitnehmen, damit sie den Hauseingang samt Umgebung kennenlernen könnte, für den Fall, dass sie wieder einmal ausreißen würde.


Doch Mohrle hatte wohl noch genug von der vergangenen Nacht. Sie schlich ganz geduckt und vorsichtig durch die diesmal weit geöffnete Tür, als sei sie noch nie da durchgegangen. Bei jedem Geräusch zuckte sie zusammen und geriet total in Panik, als drei Regentropfen fielen! Wasser, igitt!!!


Sie wollte nur noch rein in das Haus, das ihr gestern noch als Gefängnis erschienen war, aber vor Schreck fand sie die Haustür nicht mehr. Als ich sie endlich reingelotst hatte, war sie völlig bedient und wollte nur noch aufs Sofa, wo sie sich von all den Schrecken erholte.


Die Neugierde hat Mohrle noch eine weitere unbequeme Nacht beschert. Wir achteten immer ganz genau darauf, sie nicht in geschlossenen Räumen einzusperren. Aber Schmidtchen Schleicher Mohrle hat so eeelastiiieeesche Beine und kann so leise schleichen, dass man sie nicht bemerkt! Am Abend waren wir im Heizungskeller beschäftigt, Mohrle folgte uns zunächst nicht hinunter. Beim Öffnen und Schließen der Tür passten wir immer besonders auf – dachten wir!


4. Tag


Am Morgen fiel mir auf, dass Mohrle nicht am Sofa lag und auch nicht zur Begrüßung kam. Als ich entdeckte, dass ihr Abendessen sowie das Klo unberührt waren, kam kurz die Panik der letzten Nacht wieder hoch. Aber wie sollte sie hinaus gelangt sein? Schließlich erinnerten wir uns an die letzte Tätigkeit des Vortages und tatsächlich – im Heizungskeller saß eine kläglich maunzende Mohrle.


Übrigens hat bis heute keine unserer eigenen Katzen jemals den Heizungskeller betreten!


Nach all diesen Abenteuern war sie wohl vorerst nicht wild auf weitere. Nicht einmal der Balkon konnte sie verlocken – da könnte man ja auch ausgesperrt werden!


Den Kindern gegenüber war sie nun duldsamer, sie strich um Mariannes Füße. Auch Elisabeth durfte sie unter meiner Aufsicht schon streicheln.






5. Tag


Mohrle hat sich gut akklimatisiert. Sie verkriecht sich nur noch, wenn es die Kinder gar zu toll treiben. Sie hat gelenrt, dass es genügend Zimmer gibt, in die sie ausweichen kann. Furchtbar interessant sind alle abgeschlossenen Räume. Gerne sitzt sie am Balkon oder am Fensterbrett, falls mal die Sonne scheint.


Im Keller streicht sie gern herum. Geht jemand ins Freie, so lauert sie hinter der Tür auf eine gute Gelegenheit zum Ausbüxen. Ihr Lieblingsplatz aber ist das Sofa. Wenn sich dort jemand hinsetzen will, stolziert sie beleidigt auf die weiße Wolldecke – ihre eigene schaut sie nicht einmal an!


6. Tag


Mohrle ist entweder mondsüchtig oder liebestoll. Seit drei Tagen schmust sie, was das Zeug hält, sobald jemand in ihre Nähe kommt und maunzt dazu jämmerlich. Überall wird der Kopf gescheuert.


Da sie ihren Dickschädel hat und weiterhin am Papyrus knabbert (diesmal bekam es zum Glück ein bunter Teppich ab), musste ich kapitulieren und die Pflanze wegsperren.


Seit gestern spielt Mohrle viel, bevorzugt mit Kapseln von Überraschungseiern oder Bällen. Maschinen mag sie wohl nicht, beim Staubsaugen verkroch sie sich, und als gestern die Kaffemühle anging, sprang sie mit einem Satz vom Sessel auf und verschwand hinter dem Sofa.


7. Tag


Mohrle wird umgetauft in "Schmittchen", denn sie schleicht mir den ganzen Tag um die Füße!


War das heute früh ein Terror: Die Kinder brachen in Indianergeheul aus, als eine kleine Freundin zu Besuch kam. Drei gegen einen – arme Katze! Es ging unheimlich laut zu, aber Mohrle war sehr neugierig, immer wieder musste sie zusehen, was da vor sich ging.


Erst als Marianne meinte, auch die große Plüschrobbe müsste Mohrle streicheln, wurde es der zu toll und sie verschwand wieder hinter dem Sofa.


8. Tag


Mohrle schlägt zurück! Heute haben es die Mädels gar zu toll getrieben, sie ließen sich nichts sagen. Erwischt hat es Elisabeth, ein Kratzer an der Hand. Sie kam zwar angerannt und beschwerte sich "Mohrle aua da", aber im nächsten Augenblick kroch sie schon wieder hinter der Katze her und gab das Fauchen zurück. Dummheit muss eben bestraft werden!


Heute gab es Steaks, Mohrle saß lauernd vor dem rohen Fleisch. Warum kriegen bloß die blöden Zweibeiner so gute Sachen? Ihr Futter rührte sie nicht an, das Huhn scheint heute nicht zu munden.


Mohrle hat einen neuen Lieblingsplatz: im Küchenausguss.


9. Tag


Tagsüber waren wir nicht zu Hause. Als wir am Abend heimkamen, war Mohrles Napf noch unberührt. Vor lauter Freude über unsere Rückkehr muss sie dann alles auf einmal hineingeschlungen haben. Kurz darauf landete es im Rückwärtsgang im Kinderzimmer. Das merkte ich jedoch erst, als ich die Kinder ins Bett brachte und beim Zuziehen der Vorhänge in etwas Nasses trat.


Mohrle verschwand, nachdem sie gefressen hatte. Bevor wir schlafen gingen, suchten wir wieder einmal das ganze Haus ab – vergeblich. Endlich kam mir die richtige Idee: Sie muss nach ihrer "Schandtat" aufs Fensterbrett gesprungen sein und das Fliegennetz gelöst haben, um auf den Balkon zu hüpfen. Offensichtlich hatte sie jedoch den Rückweg nicht mehr geschafft. So wurde sie ausgesperrt, als ich die Kinder schlafen legte.


Übrigens hatte Elisabeth mal wieder einen Kratzer abbekommen und scheint vorläufig etwas mehr Respekt vor Mohrle zu haben. Diese ist jedenfalls sehr geduldig, wenn man bedenkt, dass sie erst zweimal zulangte.


10. Tag


Mohrle maunzt und miaut den ganzen Tag, besonders wenn wir im Garten sind, und sie am Balkon oder Fenster. Sie möchte wohl zu gerne wieder einmal hinaus.





11. Tag


Wir haben einen neuen Wecker: Jeden Morgen gegen 4 Uhr scharrt Mohrle stundenlang in ihrem Klo, als wolle sie den ganzen Garten umgraben. Vielleicht ist das eine Art Frühsport? Anschließend setzt sie sich vor die Schlafzimmertür und miaut. Es dauert immer ziemlich lange, bis sie begreift, dass niemand aufsteht und sie reinlässt.


12. Tag


Da haben wir ja einen raffinierten Feriengast! Von wegen Hauskatze – das ist schon eher eine Gartenkatze! Heute hat sie wohl das schöne Wetter gereizt? Wir haben keine Ahnung, wie Mohrle rauskam; vermutlich ist sie unbemerkt mit durch die Haustür geschlüpft.


Jedenfalls wollte ich am Nachmittag auf die Terrasse, schaute mich um wie ein Indianer auf dem Kriegspfad, damit die Katze nicht entwischt und traute meinen Augen kaum: Da sitzt Mohrle schon gemütlich in der Wiese und knabbert genüsslich am Gras!!!


Nun schleiche ich mich an, gurre sanft "Mohrle, Mohrle" – so süß wie Elisabeth bringe ich das natürlich nicht fertig. Die Mietze steht zwar auf, aber marschiert gravitätisch in die andere Richtung. Doch vor lauter Bemühen, mich zu ignorieren, ist die hochnäsige Madame eine Spur zu langsam: Ich kann sie aufnehmen. Zwar strampelt sie nun heftig, ich schaffe es jedoch, sie ins Zimmer zu tragen.


Kaum öffne ich die Tür, so lauert sie schon wieder mit lüsternem Blick in der Nähe. Als es nicht klappt, mich zu überlisten, verzieht sie sich beleidigt aufs Sofa – streicheln ist nun nicht mehr erwünscht. "Geh nur weg, du falsche Katze!" wird sie wohl von mir denken. "Nicht das kleinste Vergnügen wird einem vergönnt. Dabei hätte ich so schön einen Ausflug zur Sandkerwa machen können!"


Das Rätsel ist gelöst! Am Nachmittag konnte ich beobachten, wie Mohrle ihre Flucht wiederholte. Sie ließ sich langsam am Ende des Balkons hinuntergleiten, bis sie auf dem Winkelstück der Dachrinne saß. Ich konnte sie nicht zurückholen, weil ich weder durch noch über die Bretter des Balkonsgeländers langen konnte. Solange sie gestreckt kopfunter hing, maunzte sie erbärmlich – vermutlich hatte sie Angst vor der eigenen Courage.


Bis ich ihre Knabberle-Schachtel holte, um sie zurückzulocken, saß sie schon unten auf der Terrasse – so hatte ich den Sprung verpasst. Zum Glück ging sie auch diesmal gemächlich erst in Richtung Wiese und ließ sich ohne Protest zurück tragen. Ob sie ein schlechtes Gewissen hatte? Jedenfalls kann nun auch die Balkontüre nicht mehr geöffnet bleiben.


13. Tag


Mohrle wird froh sein, dass das Wetter wieder schlechter ist. Die letzten Tage war sie ganz schön sauer. Aufgrund der Erfahrungen konnte ich keine Tür mehr offen lassen. Wenn Elisabeth im Garten spielt, muss aber die Terrassentür auf sein. Also kann ich dann Mohrle nur oben einsperren.


Das erste Mal ließ sie sich hinauf locken. Aber später musste ich sie suchen und hinauf tragen. Sobald ich sie oben absetzte, buckelte sie und fauchte mich an. Wenn ich dann zwischendurch kam, um nach ihr zu sehen, ignorierte sie mich. Solange Elisabeth mittags schlief, ließ ich Mohrle runter bei geöffneter Terrassentür, aber mit geschlossenem Rolladen. Da war sie erst recht sauer, lauerte ständig davor und kratzte daran. Unser Haus eigent sich leider nicht besonders gut für eine reine Wohnungskatze.


Mohrle entdeckt immer neues Spielzeug: Von einer großen Plastiktüte war sie ganz begeistert, sie ließ sich sogar darin herumtragen ...




... und setzte sich immer wieder hinein, wie in ein Nest.





Auch ein Karton hatte es ihr angetan. Sie kuschelte sich hinein und machte nicht einmal den Versuch, hinaus zu klettern, als wir den Deckel auflegten. Sicher war sie enttäuscht, als wir ihn aufräumten


14. Tag


Das kleine schwarze Teufelchen ist noch für viele Überraschungen gut! Heute entdeckte ich eine braune Bescherung auf dem hellen Berberteppich im Gästezimmer – da muss sie wohl auch einmal eingesperrt gewesen sein.


15. Tag


Mohrle ist anscheinend der Ansicht, dass ihre übliche Kost nicht abwechslungsreich genug ist. Andererseits scheinen ihr gewisse Leckerbissen aber nicht gut zu bekommen. Im Keller hatte sie eine Nacktschnecke erwischt. Wir hätten das nicht bemerkt, wenn wir nicht heute morgen die halbverdauten Überreste entdeckt hätten – diesmal zum Glück im Treppenhaus. Allerdings hatte die ungewohnte Speise längere Nachwirkungen gezeitigt: Am Nachmittag fand ich ihre Knabberle am Teppich, kurz nachdem sie sie gefressen hatte.


16. Tag


Mohrle ist wählerisch. Als ich das erste mal eine Dose "Huhn" für sie öffnete, fiel mir schon auf, dass sie davon kaum etwas fraß. Nun hat sich dies bestätigt, sie ließ wieder fast alles liegen, fraß anscheinend nur, wenn der Hunger übermächtig wurde. Mehrmals täglich schlich sie dafür in der Küche herum, um Knabberle zu bekommen. Alle anderen Fleischsorten waren dagegen immer restlos aufgefuttert worden.

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