Berg-Eule

Schlappis Erinnerungen 6


(September 2004)

Die ganzen Jahre, seit ich bei meiner Familie war, hatte ich keine Krankheiten mehr. Ich fühlte mich sehr wohl und war froh, nach all den schlimmen Erlebnissen so ein schönes und liebevolles Zuhause gefunden zu haben.

Doch eines Tages ging es mir nicht gut. Die Zweibeiner stellten fest, dass ich mager wurde und meine Haut nicht mehr elastisch war. Sie brachten mich sofort zur Tierärztin. Die piekste mir eine Nadel ins Bein, schloss ein Schläuchlein an und ließ eine Flüssigkeit aus einer Flasche in mich hineinlaufen.

Zuerst dachte sie, es könnte eine Infektion sein und gab mir noch zweimal Flüssigkeit. Aber dann erklärte sie meiner Familie, dass die Blutuntersuchung Nierenversagen ergeben hätte. Die Infusionen würden nichts mehr nützen, sondern mein Leiden nur verlängern.

Ich bekam davon nicht viel mit, denn ich war ziemlich apathisch und war froh, wenn ich meine Ruhe hatte.

Den Schluss will wieder meine ewige Gefährtin erzählen. Sie sagt, ich wüsste das alles nicht so richtig, weil das vergiftete Blut mein Gehirn angegriffen hätte. Sie selber saß damals auf unserer Wolke und wartete auf mich. Sie sagte, sie hätte mein Leben schon eine ganze Weile von hier oben beobachtet und hätte darum gebeten, mich zum ewigen Gefährten nehmen zu dürfen.

Also lasse ich sie nun erzählen:

Deine Familie war sehr, sehr traurig, aber sie beendeten die Behandlungen und beschlossen, dich gehen zu lassen, weil das Häufchen Elend, das da auf dem Bett lag, nur noch eine Hülle war, nicht mehr ihr heiß geliebter Schlappi. Deine Seele war längst bei mir auf der Wolke.

3.10.2004

Gabriele und Franz brachten dich zur Tierärztin. Auf den Armen deiner Zweibeiner bekamst du die Spritzen, dein Körper ist ganz friedlich eingeschlafen, du hast nichts davon gespürt, denn du warst ohnehin nicht mehr bei Bewusstsein.


Mit vielen Tränen hat dich deine Familie im Garten begraben, unter der Rhododendronhecke, wo dein Trampelpfad zur Nachbarskatze verlief.


Zu Allerheiligen, Weihnachten, Silvester und an deinem Todestag brennt ein Licht neben deinem Grabstein. Daneben wachsen Blumen und Efeu,
 


auch kommt in der Weihnachtszeit ein geschmücktes Christbäumlein auf dein Grab und an Ostern wird die Trauerweide mit bunten Eiern geschmückt.

Nun muss ich, Schlappi, doch noch selbst etwas dazu sagen:


Wenn ich so hinunterschaute zu meiner Familie, war ich oft ein bisschen neidisch, denn auf Gabrieles Schoß – wo sonst mein Platz war – ließ sich  neben Pucki eine dreifarbig Gefleckte das Köpfchen kraulen. Schnurrrrr, hat’s die gut!!!



Aber ich gönnte es ihr ja und freute mich, dass meine Zweibeiner wieder einmal ein Findelkind davor bewahrt hatten, zu früh über die Regenbogenbrücke gehen zu müssen. Trixi war eine wahrhaftige Glückskatze!

Pucki ist tatsächlich erwachsen geworden - und zickig! Immerhin hat sie von mir einiges gelernt und an Trixi weitergegeben. So hat meine Familie keinen Grund zur Klage, und mein Geist weht immer noch durch ihr Haus.


Leider konnten aber auch meine Zweibeiner nicht verhindern, dass Trixis Krankheit (Leukose), die sie schon mitbrachte, nach viereinhalb Jahren heftig ausbrach ... Trixi sitzt nun auf der Nachbarwolke.

Da Gabriele meinen Grabstein ein wenig arg schlicht fand, wurden nun für Trixi und mich Gedenkkissen angefertigt.





Und weil große und vielgeliebte Persönlichkeiten oft nach ihrem Tod ein Mausoleum bekommen, wurde für uns ein Katzoleum errichtet.


Manchmal liegt Pucki daneben - ob sie sich noch an uns erinnern kann?



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