Berg-Eule

Schlappis Erinnerungen 4


(September 2002)
Eines Tages kam meine Familie heim und brachte etwas mit, das entfernt nach Katze roch. Es war aber nur ein Winzling, passte gerade in eine Menschenhand. Zunächst wurde die Miniaturkatze im ersten Stock einquartiert, ich besuchte sie manchmal, aber sie war mir ziemlich lästig, sowas von wild und verspielt!



Immerhin konnte sie schon aufs Katzenklo gehen. Sie bekam anderes Futter als ich, aber das schmeckte mir auch. Manchmal durfte ich bei ihr mitfressen.





Ich hatte gehofft, der Winzling würde bald wieder verschwinden, aber nein, sie ließen das Kitten auch hinunter ins Wohnzimmer. Weil sie so viel Unfug trieb, nannte meine Familie sie Pucki. Gabriele sagte, so heiße ein kleines Mädchen in einem Kinderbuch, das immer viele Streiche machte. Und dieses Mädchen wieder heiße nach einer Gestalt namens Puck aus einem Theaterstück "Der Sommernachtstraum". 

Pucki war allerdings zeitweise eher ein Alptraum. Oft ließ sie mir keine Ruhe, immer wollte sie bei mir kuscheln.











Oft versuchte sie, mich nachzuahmen.













Naja, mit der Zeit lernte sie von mir, was man darf und was nicht, und sie wurde ein bisschen ruhiger. Ich war ja schon ein gesetzter Kater und hatte keine Lust, ihre Tollereien mitzumachen. Ich war froh, wenn sie mich in Ruhe ließ.


Ich brachte ihr auch bei, dass die Mäuse im Käfig zur Familie gehörten, sie waren nur zum Anschauen, nicht zum Spielen und Fressen wie die auf der Wiese. Das wollte sie zwar gar nicht begreifen, aber sie hatte Respekt vor mir und gehorchte mir schließlich - meistens.



(Weihnachten)

Jedes Jahr, wenn der Winter nahte, entwickelte Gabriele eine sich stetig steigernde Betriebsamkeit. Zuerst stellte sie verschiedene Dinge auf die Fensterbretter und Regale, auch hängte sie eigenartige Sachen auf, wo sie einen freien Platz fand. Dann schnitt sie von der Hecke Zweige ab und machte daraus einen Kranz, den sie mit Bändern, Kerzen und anderem nutzlosen Zeug dekorierte.


Viele Tage war sie in der Küche beschäftigt mit dem Backen von Knabberle – aber die waren alle für die Zweibeiner, mir schmeckten sie nicht, da war ja nicht die Spur von Fleisch oder Fisch drin!


Schließlich stellte sie noch einen ganzen Baum ins Zimmer. Ich weiß nicht, wozu das gut sein sollte, denn es gab doch genügend Bäume im Garten. Dieser war nicht einmal zum Kratzen brauchbar, weil er auch unten so viele Äste hatte. An alle Zweige hängte Gabriele eine Menge  bunte Kugeln und Sachen aus Holz.


Wenn ich noch jünger gewesen wäre, hätte mich das sicher zum Klettern und Pföteln gereizt, aber ich wollte ja auch keinen Ärger mit Gabriele bekommen, denn der Baum war anscheinend sehr wichtig für sie, obwohl er nach wenigen Wochen wieder weg kam. So ein Aufwand – und nicht mal für die Katz!

Ich begnügte mich damit, unter dem Baum zu liegen oder darunter durch zu huschen. Dabei machte ich jedoch klar, dass mir der Baum nicht so recht passte, denn jedesmal, wenn ich darunter durch ging, bekam ein rotes Holzhäuschen einen Tatzenhieb ab – ob Gabriele es absichtlich immer an dieselbe Stelle hing? Ich muss doch einmal wieder auf die Erde schauen, vielleicht hängt das rote Holzhäuschen immer noch an seinem/meinem Platz!



Nachdem der Baum behängt war, legte Gabriele viele Päckchen darunter, die mit buntem Raschelpapier und Bändchen verziert waren. Aber auch das interessierte mich kaum, denn ich war ja kein Kitten mehr, und wenn mir nach Spielen war, hatte ich im Garten genug Möglichkeiten.

Am Abend saß die ganze Familie um den Baum, sie packten die Päckchen aus. Für mich lag auch immer etwas dabei. Ich wusste genau, was mir gehörte und bewachte meine Geschenke...



... und die von den Mäusen auch, denn die Armen mussten im Käfig bleiben und konnten es ja nicht selbst tun.





Meist war es besonders leckeres Futter, manchmal auch Spielmäuse, mit denen ich mich dann anstandshalber ein wenig beschäftigte.



Leider waren sie schon mausetot, denn sie bewegten sich nicht.



Die Zweibeinerin, die sie Oma nannten, brachte oft leckere Schälchen mit, sie wusste, dass ich die besonders gern mochte, aber sonst nie bekam. Denn Gabriele sagte, die wären nicht so gesund. Elli legte sie in eine Reihe, und ich durfte mir aussuchen, was ich zuerst fressen wollte.


Erst als Pucki kam, geriet der Baum manchmal in Bewegung, denn sie liebte es, mit mir darunter "Fangen" zu spielen. Von da an musste ich natürlich die Geschenke mit ihr teilen, aber es gab immer genug für uns beide.



Meine Familie liebte die Weihnachtszeit, ich fand sie auch ganz nett, aber nur wegen der leckeren Geschenke.

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